Der pH-Wert

Aus dem Buch: Dr. Waltraut Fryda „Adrenalinmangel als Ursache der Krebsentstehung“, 6te verbesserte Auflage 2004, Erstveröffentlichung 1982, S. 42

"Der pH-Wert

Spricht man von „ph-Wert“, „Acidose“, „Alkalose“ usw., dann muß man eigentlich erst einmal klarstellen, wo sich die jeweils gemessenen Veränderungen abspielen. Im Blut? Im Gewebe? Im Urin?

Es ist keineswegs einerlei, wo man den pH-Wert misst, denn es gibt bestimmte Gesetze im Stoffwechsel, die einfach in der Medizin nicht zur Kenntnis genommen werden, dabei aber eine grundlegende Bedeutung haben und eigentlich bei jeder Therapie berücksichtigt werden müssten.

Eines dieser Gesetze, von mehreren Autoren schon lange propagiert (Aschoff, Szylvay, Seeger), besagt, dass der pH-Wert des Blutes dem des Gewebes jeweils umgekehrt proportional läuft, d.h., wenn der pH-Wert des Blutes saurer wird, dann wird der Gewebe-pH alkalischer und umgekehrt.

Im Normalzustand, d.h. im gesunden Zustand, findet man im menschlichen Organismus einen Blut-pH-Wert von ca. 7,4 und einen etwas alkalischeren Gewebe-pH-Wert bis ca. 7,7. Beim Gesunden werden diese Werte mit Hilfe komplizierter Stoffwechselvorgänge (z.B. Pufferung, Bildung von Salzen usw.) unter allen Umständen aufrechterhalten, wodurch garantiert ist, dass alle Zellen in ihrem ungeheuer fein ausgewogenen Zusammenspiel reibungslos funktionieren.

Länger dauernde Schädigungen des Säure-Basen-Gleichgewichtes aber, die nicht mehr durch die zur Vergärung stehenden Hilfsfaktoren beherrscht werden können, müssen geradezu notgedrungen zur Schädigung verschiedener Zellen führen.

Kommt es also durch Noxen wie zum Beispiel durch extreme Säurebildung im Darm (pathologische Zusammensetzung der Darmflora, Ernährungseinflüsse u.a.) zu einer langandauernden Übersäuerung des Blutes, so werden diese überschüssigen sauren Stoffwechselprodukte im Gewebe abgelagert, um so wenigstens den normalen Blut-pH-Wert zu erhalten, und führen dort, nämlich im Gewebe, zu einer Übersäuerung, die den Gewebezellen schadet.

U.a. führt eine Ansäuerung des Gewebes zur Einschränkung der Zellatmung (Warburg, Seeger u.a.) und damit zu einer Verlangsamung der Zell-Stoffwechsel-Vorgänge mit Anfall pathologischer Stoffwechselprodukte.

Nach dem Gesetz der semipermeablen Membran, welches besagt, dass bei Vorhandensein einer solchen ein Stoffwechselaustausch nur möglich ist, wenn zwischen den getrennten Medien u.a. ein pH-Wert-Unterschied besteht, läuft auch der Stoffwechsel zwischen Bindegewebe und Blut- bzw. Lymphsystem ab.

Der pH-Wert des Blutes von 7,4 wird aber so weit wie möglich gehalten, wobei überschüssige Säuren, die nicht auf normalem Wege – nämlich über die Atemluft, Nieren oder Haut – abtransportiert werden können, im Bindegewebe gelagert werden. Die schädliche Übersäuerung desselben versucht der Organismus dann dort durch Abpufferung, also Bildung von Salzen (vorwiegend mittels Calcium) zu beheben. Es ergeben sich die typischen „Mikrocalcificationen“ beim Mamma-Karzinom, Calcium-Inseln im geschädigten Herzmuskel, Ablagerungen von Kalk-Kristallen in atheromatös veränderten Blutgefässen, sowie Nieren- und Gallensteine.

Um diesen Zustand zu ändern, also den Gewebe-pH-Wert zu erhöhen, bzw. das Gewebe zu entsäuern, wäre es nun völlig falsch, alkalische Substanzen zuzuführen. Diese würden zwar neu hinzukommende Säuren im Blut abpuffern, aber dabei auch verbraucht und nicht ins Gewebe transportiert werden, bzw., falls sie dieses erreichen würden nur zu weiteren Ablagerungen, aber nicht zur Entsäuerung führen. Die einzige Möglichkeit, den Normalzustand, also das gesunde Verhältnis zwischen Gewebe- und Blut-pH wieder herzustellen, ist eine Ansäuerung des Blutes zu erzielen. Da aber alle Säuren mit Ausnahme der physiologischen Rechtsmilchsäure abgepuffert werden, muss diese beim Kranken lang genug zugeführt werden. Weniger Schwerkranke könnten dies allerdings auch durch forcierte körperliche Bewegung erreichen. Abgesehen davon, dass nach einer solchen „Entschlackung“ des Bindegewebes vielen chronischen Leiden, besonders aber den malignen Tumoren, der Boden entzogen wird, auf dem sie sich wohlfühlen, ist eine Regulation des Gewebe-pH auch wichtig für die physiologische Wirkung von Hormonen, da die meisten von ihnen, und ganz besonders Adrenalin, extrem pH-Wert-abhängig sind (Labhard).

Letzten Endes kann man sagen, dass alle chronischen Leiden durch Veränderungen des Quotienten Blut-pH-Wert/Gewebe-pH-Wert entstehen. Ganz besonders trifft dies aber für maligne Erkrankungen zu und das Wissen darum, dass maligne Gewebe grosse Mengen von Linksmilchsäure erzeugen, ist seit Warburg längst Allgemeingut geworden."