Myers Videos

Videos zu Metformin

17.10.2015, R.S.

Die hier folgenden Besprechungen dessen, was Dr. Myers in ausgewählten Videos, die im übrigen alle für jedermann zugänglich sind, sagt, beruht auf den jeweiligen Transkripten, die wir auf Vereinskosten angeschafft haben. Im Shop des Verlages von Dr. Myers kann man für jeweils 5,50 $ eine Transkript als pdf kaufen. Es hat aber auch im BPS-Forum der Mitstreiter Andi ("LowRoad") immer wieder der PCa-community den Dienst erwiesen, Übersetzungen von Myers-Videos zu veröffentlichen.

Nun zu den ersten 4 Videos zum Metformin, es gibt meinem Überblick nach diese hier: Vom 12.06.2013, vom 11.07.2014, vom 13.01.2015 und vom 30.05.2015.

Zum ersten Video, 12.06.2013:

Nach einigen Bemerkungen zur langen Vorgeschichte der Wirkstoffgruppe, aus der heraus Metformin letztlich synthetisiert wurde, stellt er fest, dass es erstaunlich ist, dass in der langen Zeit der klinischen Erfahrung immer noch neue Wirkungen des Metformin entdeckt werden. [wird ergänzt ... ]

Zum zweiten Video, 11.07.2014:

Hier greift er das Metformin-Thema wieder auf, unter der Überschrift "The Path to Durable, Complete Remissions" - d.h. er ordnet die Anwendung des Metformin in ein Konzept ein, wie man eine dauerhafte, vollständige Remission erreichen kann. Er sagt: "I am going to talk about what I see as the tools we have to get a complete remission and then hold the patient in remission without continuing toxic treatment." Das ist natürlich genau das, was der sich mit einem fortgeschrittenen Prostatakarzinom herumplagende Betroffene hören möchte: "Ich diskutiere hier die Mittel um eine vollständige Remission zu erreichen und dann den Patienten in Remission zu halten, ohne die toxische Behandlung fortzusetzen." Nach einigen Bemerkungen über die überraschenden Wirkungen von Meformin auf das Krebsgeschehen, auf die Krebs-Mortalität, diskutiert er den wohl wichtigsten Wirkmechanismus:

"Kalorierestriktion verlangsamt das meiste Krebswachstum und hat eine schützende Wirkung auf Herz und Hirn. Es sieht so aus, dass Metformin und Kalorierestriktion alles in allem einen biochemischen Schlüssel drehen. Denken Sie nur an Menschen und Tiere in der Wildnis. Manchmal ist Nahrung da, manchmal nicht. Es muss regulierendes System geben, das den Stoffwechsel rauf oder runter fährt, je nachdem ob Nahrung da ist oder nicht. Die Energiewährung ist ATP und wenn ATP [=Adenosintriphosphat] verbrennt, ist es AMP [=Adenosinmonophasphat]. Wenn AMP hochreguliert ist, wird ein Protein eingeschaltet, eine MP-abhängige Kinase. Wenn Sie mehr Energie verbrauchen als Sie generieren können, geht dieses Protein hoch und reguliert den Stoffwechsel runter. Normales Gewebe toleriert dies gut, Krebs aber nicht. Es [Metformin] verdoppelt einige der Vorzüge der Kalorierestriktion ohne dass man eine Kalorierestriktion macht."

Der PTEN-pathway bei Prostatakrebs

Dr. Myers kommt sodann auf die Verbindung von Metformin und Prostatakrebs zu sprechen:

"Es gibt einen Stoffwechselweg, der das Überleben von Krebs unter Hormontherapie bewirkt, der bei einigen Männern mit Prostatakrebs aktiviert ist und das ist keine gute Sache. Das involvierte Protein wird PTEN genannt und wirkt normalerweise als Bremse auf diesem Krebszell-Überlebens-Weg. Wenn das PTEN vorhanden ist, was normalerweise der Fall sein sollte, ist die Entwicklung von Hormonresistenz viel schwieriger. Unglücklicherweise haben viele Männer mit Prostatakrebs, gerade die mit aggressivem Prostatakrebs, das PTEN-Protein verloren. Die Bremsen sind gelöst, der Überlebens-Weg wird hochreguliert und der Krebs kann überleben indem er hormonresistent wird.

Wenn man in Laborversuchen diesen Stoffwechselweg blockiert, ist es fast unmöglich, eine Hormonresistenz zu bekommen, weil die Zellen das nicht tolerieren können. Und das ist genau das, was Metformin macht, es reguliert diesen Stoffwechselweg herunter („it shuts down“). Es ist selektiv toxisch für Krebszellen, die das PTEN-Protein verloren haben. Die durch Mutationen hervorgerufenen Variationen, die Hormonresistenz ermöglichen, werden durch Metformin attackiert. Faszinierende Biologie. Das ist ein starkes Argument für den Einsatz von Metformin bei Patienten, die mit Hormontherapie beginnen."

Metformin und Stammzellen

Zum dritten Video, 13.01.2015:

"Dies ist das zweite Video der Serie zur „cancer dormancy“. Das Konzept ist, dass wir aggressiv behandeln um eine komplette Remission zu erreichen und dann die toxischen Medikamente weglassen und den Patienten weniger angreifende Mittel geben, die sicher sind und regelmässig genommen werden können. Mit der Idee, dass diese Mittel die Erkrankung daran hindern zurückzukommen oder das Zurückkommen wenigstens verlangsamen. …

Metformin ist seit 66 Jahren auf dem Markt für Diabetes und vor 6 Jahren kam heraus, dass es eine Anti-Krebs-Aktivität gegen viele Krebse im Erwachsenenalter hat. In den letzten 6 Jahren haben wir die Bestätigung dafür bekommen, dass Metformin aktiv ist gegen eine Vielzahl von Zielen. Der genaue Wirk-Mechanismus ist noch nicht vollständig verstanden, aber er ist mit Sicherheit ausgetüftelt. Es ist herausgekommen, dass Metformin selektiv toxisch ist bei Krebsen, bei denen PTEN eine Rolle spielt, wie bei fortgeschrittenem Prostatakrebs und anderen. Aber das ist natürlich nicht die ganze Geschichte.

Für mich haben die Ergebnisse einer Phase-II-Studie zu einem viel aggressiveren Einsatz des Metformin geführt - diese Studie scheint ein gut gemachter Job zu sein ... Glückwunsch an die Autoren … [ die Studie wird hier besprochen ]:

Eingeschlossen in die Studie waren nicht Patienten mit Diabetes, sondern mit metastatischem Prostatakrebs, die schon alles ausser Chemotherapie, also Taxotere, hinter sich hatten. Sie bekamen 1000 mg Metformin täglich, die Diabetes-Standard-Dosis. Response-Rate, PSA-Response-Rate war um die 25%. Wahrscheinlich sind Sie nun nicht sonderlich beeindruckt, aber die die Taxotere-Ansprechrate lag im gleichen setting bei 35%. Damit kann man die Ansprechraten von Metformin und Taxotere vergleichen. Eine zusätzliche Ansprechrate von 20 bis 25%, wie sie in dieser Studie gezeigt wurde, das hatte eine dramatische Wirkung auf die Wachstumsrate des Krebses. Wirklich eindrucksvoll für ein Medikament, das 4$ für 90 Pillen kostet und das es seit 66 Jahren gibt.

Bei dieser Studie ging es um eine fortgeschrittene Krebserkrankung. Es ist interessant, Prostatakrebs wird gebildet aus Stammzellen, deren Nachkommen in jede Richtung wachsen und dann kommen auch PSA-negative Zellen, die schnell wachsen. Wenn der Krebs PSA produziert, können solche Zellen nicht wachsen oder sich ausbreiten, sie sind dann am Ende.

Der 'Heilige Gral' würde etwas sein, das die Stammzellen angreift und davon abhält, die schnell wachsenden Populationen zu erzeugen. Die Wirkung eines solchen Mittels würde in der klinischen Praxis so aussehen, dass der Krebs für eine Weile weiter wachsen würde, aber immer langsamer, je mehr Stammzell-Vorläufer-Zellen verschwinden würden, es würde einen PSA-Spitzenwert geben und danach würde der Krebs langsam abnehmen.

Tatsächlich gibt es ein Papier, aktuell mehrere, die zeigen, dass Metformin auf der Stammzell-Ebene Wirkung entfalten kann, und dies bei verschiedenen Krebserkrankungen. Die klinische Erfahrung bei Metformin mit Krebspatienten, die ich gemacht habe, trifft genau das, was man von einem Mittel erwarten würde, das agiert bei dem Umschwenken von den Stammzellen zu den schnell wachsenden PSA-negativen Zellen. Das PSA geht für eine kleine Weile rauf, dann gibt es ein Plateau, um dann langsam zu verschwinden. ... "

 

Zum vierten Video, 29.05.2015:

Hier verweise ich auf die bereits von LowRoad ins BPS-Forum am 9.6 gestellte Übersetzung.

Dr. Myers kommt in diesem Video erneut auf die schweizerische Studie von Gillessen et al. zurück und bespricht diese:

"Erkennbar war ein sehr klarer therapeutischer Nutzen für die Ergänzung mit Metformin in dieser Situation..."