Metformin

13.10.2015, R.S.

Metformin ist ein kleines Molekül - Summenformel C4 H11 N5 -, das seit Jahrzehnten gg. Diabetes-2 eingesetzt wird und als blutzuckersenkend gilt. Metformin gehört zu der Substanzgruppe der Biguanide, die strukturell dem Galegin in der Heilpflanze Bockskraut verwandt ist - insofern haben wir hier (beinahe) ein Naturheilmittel ...

Seit einiger Zeit wird diskutiert, dass dieses nebenwirkungsarme und seit langem erprobte Medikament auch für viele andere Indikationen hilfreich sein könnte, so auch für Krebs.

Ohne hier die Geschichte dieser Debatte ausbreiten zu wollen: Es reicht für den Einstieg eine DIskussion der im fulltext verfügbaren Studie der Schweizer Forschergruppe um die Onkologin Frau Prof. Gillessen, die in 2014 im European Urology veröffentlicht wurde: "Metformin in Chemotherapy-naive Castration-resistant Prostate Cancer: A Multicenter Phase 2 Trial (SAKK 08/09)"

Allerdings ist es für das genauere Verständnis der Wirkungsweise des Metformin hilfreich, wenn man sich ein wenig in der Glykolyse (der Verwertung der Glucose), der Gluconeogenese (der Neubildung von Glucose aus Aminosäuren in der Leber) und dem mitochondrialen Atmungsketten-Geschehen (der hauptsächlichen ATP-Produktion in der Zelle) auskennt. Und natürlich in der Rolle des Insulins. (Siehe hierzu die entsprechenden Artikel in der Abteilung "Biologische Grundprozesse")

Snuffy Myers empfiehlt Metformin

Wer schnell nach einer Empfehlung sucht -vor allem während einer Hormonblockade-, kann auch neben der Studie der Onkologin Gillessen dem statement des Onkologen Dr. Charles Myers folgen, der Metformin empfiehlt. Er hat sich mehrfach positiv hierzu geäussert, es gibt allein aus 2015 2 Videos von ihm, vom 13.01.2015 unter dem Titel "Metformin and Prostate Cancer" sowie vom 29.05.2015 unter dem Titel "More on Metformin". In diesem letzteren Video bezieht sich Dr. Myers die o.a. Studie der Schweizer Gruppe und lobt sie.

Ergebnisse der Schweizer Studie

Was ist bei der angesprochenen Studie herausgekommen?

"Conclusions: Treatment with metformin is safe in nondiabetic patients, and it yields objective PSA responses and may induce disease stabilization. The activity of metformin in PCa, along with its low cost, favorable toxicity profile, and positive effect on metabolic parameters, suggests that further investigation of metformin as therapy for patients with PCa is of interest.

Patient summary: In this trial we assessed the use of the diabetes mellitus drug metformin in patients with advanced prostate cancer. We found disease stabilization and prolongation of prostate-specific antigen doubling time in some patients as well as effects on metabolic parameters."

[ "Die Behandlung mit Metformin bei nicht-diabetischen Patienten ist sicher, erzielt objektiven PSA-Respons und kann eine Stabilisierung des Krankheitsverlaufs bewirken. Die Aktivität von Metformin beim Prostatakrebs, zusammen mit den niedrigen Kosten, dem vorteilhaften Toxizitäts-Profil und dem positiven Effekt auf metabolische Parameter legen nahe, Metformin als Therapie für Prostatakrebs-Patienten ins Auge zu fassen.

Wir haben in dieser Studie Metformin bei Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakrebs eingesetzt. Wir haben eine Krankheits-Stabilisierung erreicht sowie eine Verlängerung der PSA-Verdopplungs-Zeit bei manchen Patienten und Effekte bei metabolischen Parametern." ]

Wer sich in der Tabelle 1. die Ausgangs-Daten der behandelten Patienten anschaut, sieht, dass es durchweg metastasierte, fortgeschrittene Krankheitssituationen waren. Gillessen et al. hatten als zu überprüfende Hypothese für diese Studie dieses gesetzt: "Our hypothesis was that 35% of patients would be nonprogressing after 12 wk of treatment." [ "Unsere Hypothese war, dass 35% der Patienten nach 12 Behandlungs-Wochen progressionsfrei sein würden." ] Diese eher bescheidene Hypothese wurde bestätigt: "At the end of the trial, 16 patients (36%; 95% confidence interval [CI], 22–52) were progression-free at week 12." [ "Zum Studienende waren 16 Patiententen (36%) progressionsfrei bei Woche 12." ]

Schauen wir uns erstmal dieses Drittel der Patienten an, bei denen ein Progressions-Stopp erzielt werden konnte. Wodurch ist das gelungen? Wohl in erster Linie durch positive Beeinflussung von Stoffwechsel-Parametern im Bereich der Glucose-Verwertung und der Insulin-Sensitivität, s. hierzu die Tabelle 3., in der die Nüchtern-Glukose-Werte mit den Nüchtern-Insulin-Werten ins Verhältnis gesetzt werden (HOMA-Index).