Flüssig-Biopsie

Liquid Biopsy - Flüssig-Biopsie

CTCs cfDNA Sonderausgabe Molecular Oncology                     

Als Einstieg drei unterschiedliche Quellen:

In einem 25-Minuten-Beitrag des Deutschlandfunks vom 06.11.2016 wird sehr anschaulich dargestellt, worum es geht: "Der Tumor im Heuhaufen - Krebs im Blut erkennen". Die besondere Rolle des Hamburger Tumorbiologen Prof. Pantel wird ab Minute 22:10 dargestellt.  Der Text der Sendung kann hier heruntergeladen werden.

In einem Ärztezeitung-Artikel vom 15.08.2016 heisst es: "Liquid Biopsy bringt Vorteile":

"Die Flüssigbiopsie ("liquid biopsy") ist ein NGS("next generation sequencing")-basiertes Verfahren, mit dem genomische Veränderungen an der zellfreien, zirkulierenden Tumor-DNA (ct-DNA) aus dem Blut analysiert werden können."

"Auf der ASCO-Jahrestagung 2016 stellte Professor Philip C. Mack, Sacramento, CA/USA, eine der derzeit größten Untersuchung zu diesem Verfahren vor. In der Studie wurden Genprofile aus 17.628 Blutproben von 15.191 Patienten mit einer von mehr als 50 verschiedenen fortgeschrittenen Tumorerkrankungen analysiert (Zill OA et al. ASCO. 2016; Abstr LBA11501)."

"Die Ergebnisse der Untersuchung belegen, dass die Flüssigbiopsie aus einer Blutprobe eine attraktive minimalinvasive Alternative zur Gewebetestung ist. Sie liefert auch dann Ergebnisse, wenn ein vorhandenes Tumorbiopsat für die Genotypisierung nicht ausreichend ist oder nicht risikolos gewonnen werden kann", so Mack.
Zudem biete die Methode die Möglichkeit einer regelmäßigen Kontrolle des Krankheitsverlaufs: "Die Tumorentwicklung unter der Therapie kann beobachtet, behandlungsbedingt entstehende Resistenzen frühzeitig erkannt und die Therapie gegebenenfalls angepasst werden", erläuterte Mack."

Am 03.06.2016 wurde in der Zeitschrift 'Clinical Chemistry' veröffentlicht: "Circulation Tumor DNA as a Cancer Biomarker: Fact or Fiction?" - Eine Diskussion zum Thema unter Experten, darunter der Hamburger Tumorbiologe Prof. Klaus Pantel.

Einführungs-Vortrag von Prof. Klaus Pantel

Rudolf Stratmann, 15.09.2016

Am Samstag, den 10.09.2016, hat Prof. Klaus Pantel im Rahmen des "Tag des Wissens" am Hamburger UKE einen Einführungs-Vortrag gehalten: "Neue Ansätze in der personalisierten Krebsdiagnostik und Therapie", die Folien können hier als pdf heruntergeladen werden.

Ich möchte im folgenden auf diese Folien eingehen.

Prof. Pantel stellte zu Anfang die Quiz-Frage, wieviel Krebsneuerkrankungen in Deutschland pro Stunde diagnostiziert werden - mit 55 pro Stunde, 1309 pro Tag und fast eine halbe Million pro Jahr liegen die Zahlen (aus 2012) wirklich hoch. Wichtig aber ist, dass ca. 90% dieser Krebsneuerkrankungen Organe betreffen und deshalb 'solide' Tumore heissen, in Abgrenzung zu Krebserkrankungen des Blutes. Von den soliden Tumoren sind Darm-, Brust-, Prostata- und Lungenkrebs die häufigsten.

Metastasierung als Hauptproblem

Was für uns am fortgeschrittenen Prostatakrebs Erkrankte schon immer klar war: In der Folie "Schlüsselereignis in der Krebsbiologie" verweist Prof. Pantel auf diese Einsicht, bereits 2007 in einer Veröffentlichung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung formuliert ==> "Invasion und Metastasierung sind die zentralen klinisch relevanten Probleme der Krebserkrankung". Man kann diesen wirklich wichtigen Satz auf der Seite 78 des BMBF-Papiers aus 2007 nachlesen. Die Entstehung und Arbeit unseres Netzwerkes ist ja gerade aus der immer wieder gemachten frustrierenden Erfahrung heraus entstanden, dass sich um dieses eigentliche Problem weder in der Fachdisziplin der behandelnden Ärzteschaft, aber auch in der eigenen Selbsthilfe-Organisation wenig bis überhaupt nicht gekümmert wurde. Natürlich besteht die Gefahr, dass ein Primärtumor (bei uns in der Prostata entstanden) streut, Krebszellen in benachbarte oder entfernte Gewebe davonziehen lässt, wo dann, wenn die Bedingungen günstig sind, nahegelegene (z.B. Lymphknoten-)Metastasen oder eben Fernmetastasen entwickelt werden. Den Fokus hierauf zu richten, wie kann man diagnostisch den Weg disseminierter Krebszellen verfolgen - das ist der zentrale Punkt des Ansatzes "Liquid Biopsy": Wenn sich Krebszellen ausbreiten, dann tun sie das entlang von Lymph- und Blutgefässen, also kann man dort hinschauen und das Geschehen analysieren.

Das Konzept

Die Konzeptidee, die sich einfach anhört, aber nach wie vor in der Versorgung nicht angekommen ist: "Blut als einfach zugänglicher Pool für metastatische Tumorzellen" anzusehen und entsprechend zielgerichtet zu suchen. Nach "Therapiezielproteinen" und "Resistenzgenen".

Es wandern Tumorzellen aus dem Primärtumor in Blutgefässe ( CTC heisst: Circulation Tumor Cells, also zirkulierende Tumorzellen) und landen z.B. in der Lunge, den Knochen oder gar in der Leber ( DTC heisst: Disseminated Tumor Cells, also disseminierte Tumorzellen). Aber auch von dort können sich wieder Tumorzellen lösen und landen dann in den Blutgefässen als Lungen-, Knochen- oder Leber-CTCs. Insofern die Unterscheidung primäre und sekundäre Streuung / Dissemination.

Die von Prof. Pantel auf dieser Folie angegebenen Literatur-Fundstellen sind diese:

Allerdings -will man den zweiten Artikel verstehen-  ist "miRNA" zunächst erklärungsbedürftig, was ist das? Siehe hierzu das Ende des Artikels zur Genetik im Bereich 'Biologische Grundprozesse'.

Ziele der Forschung:

Bis auf die Früherkennung dürfte uns alles interessieren: Wie können die einzelnen Ziele verfolgt werden?

Das älteste Instrument ist die Auswertung zirkulierender Tumorzellen im Blut: Wieviele sind erkennbar und welche sind es? Und was kann daraus für die Therapie geschlussfolgert werden?

===>  Dieses wird auf einer eigenen Seite diskutiert ... s. dort