H2O2 in die Vene

Rudolf Stratmann, 10.02.2016

Da ich mittlerweile selbst eine Infusion mit Wasserstoffperoxid bekommen habe, kann ich nicht nur berichten, dass ich noch lebe, sondern auch, how to do.

2,5 ml aus einer 3%-igen H2O2-Lösung, die in jeder Apotheke erhältlich ist, in eine 250 ml NaCl-Lösung hineingespritzt ergibt eine hundertfache Verdünnung, also hat die Infusionslösung 0,03% H2O2. Diese Dosierung ist infundierbar (ca. 1 Std.), ohne dass man gleich Angst haben muss, einer Embolie aufgrund zu starker Gasentwicklung (Freisetzung von Sauerstoff) zu erliegen.

Während in den USA diese Art Therapie x-fach angeboten wird (s. beispielsweise hier eine Seite von Dr. Kennedy), ist mir dieses aus Deutschland nicht bekannt. Neben der üblichen 0,03%-igen Lösung kann in der Tumortherapie unter klinischen Bedingungen auch bis zum Zehnfachen erhöht dosiert werden, wie ich von einem erfahrenen Therapeuten hörte.

Das wohl wichtigste Papier in diesem Kontext ist von Dr. Charles Farr 1986 veröffentlicht worden: 'The Therapeutic Use of Intravenous Hydrogene Peroxide'. Ich werde versuche, dieses Papier zu übersetzen.

Für die Geschichte der IV-Anwendung von H2O2 ist die Veröffentlichung von Oliver et al. im Lancet 1920 ein Meilenstein: 'Influenzal Pneumonia: The Intravenous Injection of Hydrogene Peroxide'.

Dazu ein weiteres Zitat aus dem Buch von Dr. Gartz 'H2O2 - Das vergessene Heilmittel', S. 37:

"Zunächst soll hier chronologisch eine sehr bemerkenswerte Neuerung besprochen werden, die mitten in der weltumspannenden Ausbreitung ("Pandemie") der "Spanischen Grippe" von 1918-1920 erforscht wurde. Die britischen Militärärzte Oliver, Canrab und Murphy berichteten in der Zeitschrift The Lancet über eine in Busrah, Indien, vom Juni bis Juli 1919 versuchsweise durchgeführten neuen Therapie. Die Grippe verlief weltweit in mehreren Wellen, am tödllichsten waren die vom Herbst 1918 und Frühjahr 1919. In Indien forderte sie besonders viele Opfer, bedingt durch eine gerade herrschende Hungersnot und die hohe Bevölkerungsdichte. Heute geht man davon aus, dass vom Äquator bis Alaska knapp 50 Millionen Tote auf das Konto der Grippe gehen.

Die Todesfälle waren vor allem auf eine nachfolgende Lungenentzündung (Pneumonie) zurückzuführen, die sich nach der kurzen und heftigen Grippe entwickelte, wodurch letztlich mehrere Erreger beteiligt gewesen sein konnten. Auffällig war, dass die Opfer meist junge Leute zwischen 20 und 40 Jahren waren, ganz ähnlich wie bei der verwandten, aber ungleich milderen "Schweinegrippe" unserer Zeit.

Die Militärärzte beschrieben Lungenentzündungen mit beängstigendem, fulminanten Verlauf, der offensichtlich unter Ausscheidung von Giften der Erreger ("toxischer Verlauf") sehr schnell zu Koma und Tod führte. Die Todesrate lag weit über 80 Prozent und es gab absolut keine Therapiemöglichkeit. Die Ärzte bezogen sich bei ihren Versuchen auf die Aussagen des berühmten schottischen Physiologen John Scott Haldane (1860 - 1936), der ausgiebig den Gasaustausch von Sauerstoff und Kohlenstoff im Körper untersucht hatte ("Haldane-Effekt"). Haldane war der Ansicht, dass zur Abwehr von Krankheitserregern ein hoher Anteil Sauerstoff im Blut förderlich sei.

Schon zuvor hatte Oliver unabhängig davon in Laborversuchen herausgefunden, dass Wasserstoffperoxid mit Kupferkatalyse selbst Morphium oxidieren kann. Es lag daher nahe, die Gifte mit dem Peroxid im Körper zu neutralisieren. Eigenartigerweise wird in der Lancet-Publikation immer nur von der Oxidation der im Blutkreislauf befindlichen Gifte gesprochen, eine direkte Wirkung gegen die Errger der Lungenentzündung aber nicht erwähnt.

Die Autoren wollten auf diesem Weg direkt an den roten Blutkörperchen eine feine Sauerstoffproduktion auslösen, obwohl die meisten Lehrbücher warnten, dass beim Injizieren des Peroxids eine tödliche Gasembolie durch grössere Gasblasen, ähnlich wie bei der Injektion von Luft, eintritt. Doch waren die drei Militärärzte der Ansicht, dass bei sehr langsamer Gabe verdünnter Lösungen der entstehende Sauerstoff sofort resorbiert wird, ohne dass sich größere, gefährliche Gasblasen bilden konnten. Diese Annahme bestätigte sich dann auch. Sie betonten ebenfalls, dass sie nur hoffnungslose Fälle behandelten und es daher für ehtisch vertretbar hielten.

Der erste behandelte Fall nahm folgenden, eindrucksvollen Verlauf (gekürzt):

[ Hier zunächst das Original-Zitat: ]

"The first case was an Indian with broncho-pneumonia of influenzal origin and intensely toxaemic. He had been delirious for two days previously and was selected as being the worst case in the ward and to all appearances moribund.

Two ounces of a ten-volume solution of H202 were diluted with 8 ounces of normal saline, and the solution made slightly alkaline with 5 minims of liquor ammoniae. This produced a faintly effervescing solution. The median cephalic vein was exposed by open dissection, and the solution infused through a glass cannula attached to a Rogers cholera apparatus.

The solution was infused very slowly, a complete stop being made for half a minute in every four. Small bubbles were allowed to enter the vein but unchecked, but if a large accumulation of oxygen appeared in the cannula the transfusion was checked for about a minute until it had gradually entered the vein. The whole transfusion lasted for 15 minutes.

The patient showed no signs of discomfort until towards the end of the operation, when he became slightly restless. This, however, passed off in a few minutes, and there were no other untoward symptoms except a moderate rigor which occurred two hours later.

After the rigor the temperature, which had been 101,8, fell to normal and remained so for 36 hours, when it again rose to 101. The latter rise was not accommanied by toxic symptoms and the temperature gradually fell to normal in the course of the next ten days.

The change in the mental condition was remarkable, the patient, who previously had had to be tied in bed owing to delirium, was within six hours of the injection sitting up and asking for food; he slept well the next night and from that time improved in every way, eventually being invalided to India as a walking case three weeks later."

[ Hier die von Dr. Gartz gegebene Übersetzung: ]

"Der Fall betraf einen Inder mit grippaler Lungenentzündung, der schon zwei Tage im Delirium lag. Wir hatten ihn ausgesucht, da er der dramatischste Fall aus der gesamten Krankenstation war. Alles an ihm schien todgeweiht.

Zwei Unzen von zehn Volumen Wasserstoffperoxid wurden mit acht Unzen gewöhnlicher Kochsalzlösung verdünnt und mit kleinen Mengen von Ammoniaklösung schwach alkalisch eingestellt. Die Lösung wurde sehr langsam als Infusion gegeben. Nach jeweils vier Minuten wurde eine halbe Minute Pause eingelegt. Das Auftreten ganz kleiner Gasblasen tolerierten wir, verhinderten aber größere. Insgesamt dauerte die Infusion 15 Minuten. Der Patient zeigte keine Anzeichen von Unbehagen, nur zum Ende der Infusion zeigte er eine leichte Unruhe. Diese dauerte wenige Minuten und nach zwei Stunden trat ein leichter Krampf auf. Danach sank die Temperatur auf Normalität, blieb 36 Stunden so und stieg dann wieder an. Er zeigte aber keine toxischen Symptome mehr und innerhalb von zehn Tagen fiel die Temperatur beständig. Das Delirium endete und nach drei Wochen konnte er entlassen werden."

Die Ärzte behandelten daraufhin weitere 24 hoffnungslose Fälle. Von den 25 Kranken überlebten 13 Patienten. Die Todesrate von 48 Prozent stand im starken Gegensatz zu den über 80 Prozent der unbehandelten Klientel. Bei den Todesfällen unter den therapeutisch behandelten Patienten sprachen neun überhaupt nicht an, drei hatten anfängliche Verbesserungen gezeigt. Nach allen Injektionen folgte ein leichter Krampf. Die Todesfälle zeigten auch keinerlei Anzeichen einer Embolie, waren also an der Krankheit gestorben.

Die Autoren nahmen an, dass nur der entstehende Sauerstoff und nicht das Peroxid für die Heilung verantwortlich zeichnete. Weiterhin beschrieben sie, dass die Epidemie plötzlich endete und daher nicht mehr Patienten behandelt werden konnten, wie es ursprünglich geplant war.

Ihre Schlussfolgerungen aus den Behandlungen lauteten:

  • "1. Wasserstoffperoxid kann intravenös ohne Gasembolie gegeben werden.
  • 2. Die Atemnot bessert sich oft markant.
  • 3. Die Vergiftung wird in vielen Fällen überwunden.
  • 4. Die Sterblichkeit (48 Prozent) ist sehr vorteilhaft gegenüber den unbehandelten Fällen (80 Prozent). Das ist besonders bemerkenswert, da wir nur die schwersten und als hoffnungslos eingestuften Fälle behandelten."

Fehlinterpretationen des Lancet-Artikels

"Die Zeitschrift The Lancet ist auch heute noch eine der renommiertesten medizinischen Zeitschriften der Welt. Kein Wunder, dass nach dem Grippeartikel verschiedene Mediziner begannen, das Peroxid erfolgreich gegen Infektionen anzuwenden. Zunehmend wurden auch neue Indikationen genannt: Allergien, Schwäche und schließlich Krebs.

Leider enthielt der verdienstvolle Artikel aber eine Formulierung, die besonders später, als die Bedeutung der ursprünglichen Verdünnung vergessen worden war, sehr tragische Folgen, sogar mit vereinzelten Todesfällen, hatte. Dadurch geriet die Methode in Misskredit und wurde von einer breiten Ärztemehrheit schließlich nicht mehr verwendet. Die Militärärzte verdünnten 'ten volume peroxide of hydrogen' zur fertigen Infusionslösung, übersetzt also 'zehn Volumen Wasserstoffperoxid'.

Dr. I. N. Love hatte schon bei einem Vortrag vor der medizinischen Gesellschaft von St. Louis am 4. Februar 1888 ausgeführt, dass es sich dabei nicht um eine zehnprozentige Lösung handele. Die Autoren des Artikels meinten mit dieser Angabe, dass aus einem Teil Lösung durch Zersetzung zehn Volumenteile Sauerstoff entstehen. Diese Lösung ist nur dreiprozentig! Also hatten die Ärzte nach der beschriebenen Verdünnung mit 'acht Unzen Kochsalzlösung' nur eine 0,6%-ige verwendet, bei analoger Verdünnung einer zehnprozentigen erhielte man noch immer eine zweiprozentige Lösung. Selbst als mancher Untersucher also nur eine einprozentige Lösung verwendete, war die verwendete Konzentration immer noch fast doppelt so hoch wie die in der Originalpublikation.

Nichtsdestotrotz fuhr man mit der Anwendung fort, und selbst im DDR-Chemielexikon von 1969 wurde unter der Rubrik 'medizinische Anwendung von Wasserstoffperoxid' die Injektion zur Sauerstofftherapie genannt. Zwar wurde ihr in verschiedenen Ländern das Etikett 'Außenseitermethode' verpasst, doch hat unter anderem der amerikanische Arzt Charles H. Farr 1986 eine große und detaillierte Übersicht über die Methode verfasst, in der er eine sichere Anwendung erwähnt, wenn die exakten Konzentrationen und die sehr langsame Infusion eingehalten werden. Farr, auf dessen Verdienste wir später noch einmal zu sprechen kommen, verwendete bei der Infusion generell stark verdünnte Lösungen von etwa 0,04 Prozent."

[Soweit das Zitat aus dem Buch von Dr. Gartz]

Pro-oxidative Wirkung von H2O2

Dr. Ionescu sagte in einem Vortrag zur H2O2-Infusions-Praxis in den USA dieses:

"Pro-oxidativ arbeiten die amerikanischen Ärzte, und das haben wir auch in der Klinik getestet, Behandlungen mit pro-oxidativen Stoffen, wie z.B. Wasserstoff-Peroxid. In den Vereinigten Staaten, die Behandlung mit verdünntem Wasserstoffperoxid, in Konzentrationen von 0,3 bis 0,03%, ist eine Standard-Therapie in tausenden von Praxen. Es gibt Praxen, die leben von dieser Wasserstoff-Peroxid-Therapie. Unvorstellbar! Aber, es wird praktiziert en masse. Und man sieht, dass die Gabe von 1 Tropfen von Wasserstoff-Peroxid sofort eine dramatische Verschiebung des Redox-Potential mit sich bringt."