Genetik/Epigenetik

Ist Krebs eine genetische Erkrankung?

Rudolf Stratmann, 19.06.2015

Sind Veränderungen in den Genen von Körperzellen die Ursache der Krebsentwicklung? Sind es Mutationen an bestimmten Genen, die für sich allein oder im Verbund mit weiteren Mutationen ein Umschalten der Zellbiologie auf ständige Zellteilung bewirken?

Oder muss die Arbeitsweise des Genoms, die Arbeitsweise eines jeden einzelnen Gens nicht eingeordnet werden in das grössere Ganze der Zellbiologie und darüberhinaus der des jeweiligen Gewebes, in das die einzelne Körperzelle eingebettet ist? Ist also Krebs weniger eine genetische als eine Gewebs-Erkrankung?

Sind Veränderungen an den Chromosomen die Ursache für Krebs? Ist Krebs demzufolge nicht eher eine chromosomale als eine genetische Erkrankung?

SInd nicht über die Gene und Chromosomen hinausreichende, "epi"genetische Einflussfaktoren genauso entscheidend für jegliche Anpassung der Zellbiologie auf eine veränderte Umwelt? Ja, kann nicht sogar die Epigenetik als System betrachtet hierarchisch über der Genetik stehen und diese eher steuern als dass die Genetik im Zellkern einer jeden Körperzelle das alleinige Kommandozentrum ist?

Ein im April diesen Jahres ausgestrahlter Film von ARTE France bietet sehr kompakt einen Schnell-Einstieg in diese grosse Auseinandersetzung über das Krebs-Verständnis, vor allem in der Gegenüberstellung der Mutationstheorie einerseits und der Stoffwechseltheorie andererseits. Es lohnt sich, diesen Film genauer zu betrachten, s. dazu hier eine Besprechung.