Fasten vor Chemo

Die Idee, vor der Chemo ein Kurzzeit-Fasten einzulegen (2 bis 5 Tage), entstammt den Forschungsergebnissen von Valter Longo und seinem Team in Los Angeles und ist relativ neu. Im Juni 2013 hat Prof. Longo auf einem Fasten-Seminar in Deutschland einen Vortrag gehalten "Fasting, longevity and cancer", der für jeden Interessierten an dem Thema einen sehr guten Einstieg bietet.

2008 berichtete das Longo-Team über die im Tierversuch gemachte Entdeckung, dass "Starvation-dependent differential stress resistance protects normal but not cancer cells against high-dose chemotherapy", also dass normale Zellen, aber nicht Krebszellen vor den Folgen einer Hochdosis-Chemotherapie geschützt werden in Abhängigkeit von vorherigem Hungern. Sie deckten auf, dass nach 2 Tagen Nahrungsentzug gesunde Säugetierzellen auf ein anderes Gen-Expressions-Muster umschalten und sich u.a. gegen oxidativen Stress schützen.

Nur ein Jahr später reichte Longo in Zusammenarbeit mit benachbarten Krebs-Kliniken die erste klinische Fall-Serie nach: "Fasting and Cancer Treatment in Humans: A Case series report". 10 Patienten, darunter 4 Brustkrebse und 2 Prostatakrebse, die Docetaxel in Verbindung mit Cyclophosphamid bzw. Carboplatin bekamen, fasteten vor der Chemo. Die Autoren stellen fest:  "In those patients whose cancer progression could be assessed, fasting did not prevent the chemotherapy‐induced reduction of tumor volume or tumor markers. Although the 10 cases presented here suggest that fasting in combination with chemotherapy is feasible, safe, and has the potential to ameliorate side effects caused by chemotherapies, they are not meant to establish practice guidelines for patients undergoing chemotherapy." - ("Bei denjenigen Patienten, bei denen ein Progress festgestellt war, hatte das Fasten keinen negativen Einfluss auf die durch die Chemo intendierte Reduzierung des Tumor-Volumens oder der Tumor-Marker. Obschon die hier vorgestellten 10 Fälle zeigen, dass Fasten in Kombination mit Chemotherapie verträglich und sicher ist und das Potential hat, die durch die Chemotherapie verursachten Nebenwirkungen abzumildern, dienen diese Fälle nicht dafür, eine praktische Leitlinie für Patienten, die sich einer Chemotherapie unterziehen wollen, darzustellen.")

Fasten regeneriert die Stammzellen

Im Juni 2014 kam die Erklärung, wieso Fasten einen positiven Beitrag zur Blutbildung leistet und insofern die negativen Begleiterscheinungen einer Chemo auf die Blutbildung ebenfalls abzumildern in der Lage ist: Fasten regeneriert die hämatopoetischen Stammzellen!

"Prolonged Fasting Reduces IGF-1/PKA to Promote Hematopoietic-Stem-Cell-Based Regeneration and Reverse Immunosuppression"

Kurz vorher hatten Prof. Longo und ein Forscher von den National Institutes of Health, Mark Mattson, die molekularen Mechanismen des Fastens aufgeklärt: "Fasting: Molecular Mechanisms and Clinical Applications"

Fallbeispiel Fasten + Docetaxel

Rudolf Stratmann, 31.03.2015

Hier die Auflistung der HB-Werte-Entwicklung während der Docetaxel-Chemo, die ich seit dem 19.01.2015 mache. Bis auf die zweite Infusion am 26.01. habe ich jedesmal vorher zwei Tage bzw. bei der ersten Infusion pro Zyklus drei Tage gefastet. Wie ich finde, haben sich meine HB-Werte gut gehalten.