Fettsäure-Status

Fettsäure-Status

 

Cholesterin-Kontoverse           

Krebs-Entwicklung und -Progress hängt auch mit dem Fettstoffwechsel zusammen. Dies zeigt allein ein Blick in eine Veröffentlichung aus dem Jahre 2010, Brown et al. "Influence of omega-6 PUFA arachidonic acid and bone marrow adipocytes on metastatic spread from prostate cancer"

Die Fettsäure  (eine Einführung gibt es hier) Arachidonsäure (AA) scheint die Invasion von Prostatakrebszellen ins Knochenmark und dortige Ausbreitung direkt zu fördern: Die auch im Knochenmark vorhandenen Fettzellen (Adipozyten) werden von den Krebszellen angezapft ... sozusagen auf der Suche nach dieser für das eigene Überleben so tollen Fettsäure. Welchen Inhalt wir in unsere Fettzellen ablagern, welche Fettsäuren, ist also nicht egal. Ausserdem hängt es davon ab, wie wir uns ernähren. Aber zunächst die Ausgangslage:

Man sollte nicht erst als Krebs-Betroffener, sondern als allgemein am Leben Erfreuter sich gelegentlich um sein eigenes Fett kümmern, indem man im ersten Schritt genau hinschaut. Standard-Diagnostik beim Hausarzt ist das nicht, man muss dem Arzt schon sagen, dass man (wenigstens) mal seine "Blutfette" gemessen haben möchte, hier ein Beispiel:

Triglyceride, Cholesterin, HDL- und LDL (HIgh-density- und Low-density lipoprotein, auch 'gutes' und 'schlechtes' Cholesterin genannt) - das sind die Standard-Werte, die schon einiges zeigen. Das Interessanteste ist, dass da ein "Risikofaktor" berechnet wird: Der Cholesterinwert dividiert durch den HDL-Wert, also durch das 'gute' Cholesterin. Im Beispiel liegt wohl kein spezifisches Risiko vor - wenn man diesem Wert Glauben schenken will. Man kann auch den Triglycerin-Wert durch den HDL-Wert dividieren, in diesem Beispiel wäre das 1,7.

Entzündungen auf der Spur

So wie der angegebene "Risikofaktor" Chol./HDL kleiner 5 sein sollte, so sollte die Ratio Triglyceride/HDL kleiner 2 sein. Warum? Je höher dieser Wert ausfällt, desto mehr entzündliche Prozesse laufen im Körper ab - dieser "Faktor", der eigentlich ein Quotient ist, soll eine gute Vorhersagevariable für koronare Herzerkrankungen sein, also für entzündliche Erkrankungen der Herz-Gefässe. Doch nicht nur dafür.

Allerdings dürfte der Zusammenhang von 'zu hohem' Cholesterin bzw. zu viel 'schlechtem' Cholesterin und dem erhöhten Risiko für koronare Herzerkrankungen nicht zutreffen, obschon lange propagiert. Auf diese Cholesterin-Kontroverse gehe ich in einem eigenen Artikel ein.

Zunächst aber die messtechnische Verbesserung, mit einer Fettsäuren-Analyse, die allerdings selten als Kassenleistung durchgeführt wird (man kann aber durchaus diese oder jene Fettsäure auf Kasse messen lassen). Hier ein Beispiel mit 14 im Blut gemessenen Fettsäuren:

Die oben schon angesprochene Arachidonsäure ist der Ausgangsstoff für pro-entzündliche Botenstoffe des Immunsystems, weswegen die Analyse der Fettsäuren Sinn macht: Es gibt solche und solche Fettsäuren - zwar brauchen wir alle, aber die Mengen-Verhältnisse zueinander müssen stimmen und insbesondere dürfen Fettsäuren, die in in zu grosser Menge zerstörerische Wirkungen entfalten können, allen voran die Arachidonsäure, nicht überschiessen.

Auf der Ebene einer Messung der Fettsäuren lassen sich die o.a. Verhältniszahlen anders bestimmen und die Vorhersagekraft einer solchen Ratio ist grösser: Dividiert man den Arachidonsäurewert durch den Eicosapentaensäure-Wert erhält man eine Verhältniszahl ( im obigen Beispiel 115 dividiert durch 116, also eine glatte 1 ), die ziemlich genau den Zustand schleichender Entzündungen im Körper angibt, weit besser als durch die o.a. Standard-Untersuchung und überhaupt nicht zu vergleichen mit der Messung des CRP-Wertes, der eben nur der Marker für akute Entzündungen ist und bei schleichenden, ständig vor sich hin glimmenden Entzündungen gar nicht anspringt.

Den Überblick über den Stoffwechsel der Omega-6- und Omega-3-Fettsäuren und auch der daraus synthetisierten Eicosanoide ist auf dieser Seite nachzulesen. Auch, was die Haupt-Wirkung der Supplementierung von EPA ist. Weiterhin ist nach wie vor das, was Barry Sears vor Jahren schon zusammengetragen hat, zum Verständnis der hormonellen Wirkungen der Ernährung und insbesondere der Fette, sehr hilfreich, wie ich finde.

SIP = Silent Inflammation Profile

Sears nennt die Ratio Arachidonsäure: Eicosapentaensäure auch 'Silent Inflammation Profile', abgekürzt SIP. Hier ein grobes Schema, wie man evtl. SIP-Wert klassifizieren kann (aus Sears 2005, S. 40):

Fazit: Man sollte durch vernünftige Ernährung und EPA- (und auch DHA-)Supplementierung darauf achten, dass der SIP nicht höher als 2 oder 3 ausfällt. Vernünftige Ernährung heisst an dieser Stelle: Die verwendeten Fette und Öle genau auswählen, gehärtete völlig meiden, Omega-6 nur gezielt (bei Prostatakrebs ist auch und gerade Leinöl zu vermeiden) und Omega-3 vorzugsweise. Man sieht an dem o.a. gemessenen Fettsäure-Status auch, dass es drei Fettsäuren sind, die die Masse der im Blut anzutreffenden Fettsäuren ausmachen: Linolsäure, Ölsäure und Palmitinsäure. Linolsäure ist der Ausgangsstoff für den Omega-6-Metabolismus, der ist eh in der Nahrung reichlich vorhanden. Man sollte diese Fettsäure nicht auch noch zusätzlich zuführen.