Enzalutamid Nebenwirkungen

Enzalutamid /Xtandi Nebenwirkungen

Im allgemeinen kann man annehmen, dass die Nebenwirkungen des Enzalutamid geringer ausfallen sollten als diejenigen beim Abiraterone (z.B. weil man hier kein Cortison-Präparat zusätzlich nehmen muss), aber das heisst im Einzelfall nicht viel.

Die hier im Arzneimittel-Kompendium der Schweizer Ärzteschaft herunterladbare Fachinformation zum Enzalutamid / Xtandi liefert 2 Hinweise auf Nebenwirkungen, auf die ich hier hinweisen möchte und die ich auch selbst erlebt habe:

Zum einen die Induzierung von Schlaflosigkeit und zum anderen im Zuge der Interaktion mit Medikamenten-abbauenden Enzymen eine Entgleisung der Marcumar-Dosierung.

Zu Beginn des Abschnitts 'Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen' werden mögliche Krampfanfälle aufgeführt, es heisst dort: "Der Mechanismus, mit dem Enzalutamid die Krampfschwelle senken kann, ist nicht bekannt. Ein möglicher Hinweis diesbezüglich stammt aus in vitro Studien, in denen für Enzalutamid und seinen aktiven Metaboliten eine Bindung an und eine mögliche Hemmung der Aktivität des GABA-gesteuerten Chloridkanals gezeigt wurde und die Tatsache, dass für Enzalutamid keine Bluthirnschranke besteht."

Schlucke ich also die verordnete Dosis von 4 Pillen Xtandi jeden Tag, so darf ich sicher sein, dass der Wirkstoff auch im Gehirn landet. Was er da alles machen kann, scheint nicht so klar zu sein. Jedoch sind eine Reihe von aufgeführten 'Unerwünschten Wirkungen' (Grundlage dieser Fachinfo sind lediglich die beiden Zulassungs-Studien AFFIRM und PREVAIL) Wirkungen im Gehirn:

"Häufig: Angst, Schlaflosigkeit, Amnesie, Aufmerksamkeitsstörungen. Gelegentlich: Krampfanfall, kognitive Störungen, visuelle Halluzinationen. Sehr häufig: Kopfschmerzen. Häufig: Cauda equina Syndrom, Schwindel, Parästhesien, Hypästhesien, Aufmerksamkeitsverminderung, Gedächtnisstörungen, Restless-Legs-Syndrom."

Schlaflosigkeit ist nicht Zerstörung des Schlafrhythmus

Bei mir war schon innerhalb der ersten Tage der Einnahme der normale Schlafrhythmus kaputt. Eine heftigere Reaktion auf ein Medikament habe ich selten erlebt. Mittlerweile wird auch von einem anderen Mitstreiter dasgleiche berichtet. Meine Lösung, allerdings erst nach mehreren Wochen Durchleidens ergriffen, war eine Dosissenkung auf 3 Pillen pro Tag, was die erwünschte Besserung brachte.

Insofern ist die in der Fachinfo aufgeführte NW 'Schlaflosigkeit' ein Euphemismus bzw. eine andere NW. Unter Zerstörung des Schlafrhythmus verstehe ich, dass ich zwar supermüde war und auch zur üblichen Zeit einschlafen konnte, dann aber wieder hochgerissen wurde und irrend durch die Nacht torkelte, bis dann endlich gegen 5 oder 6 der eigentlich wesentlich früher angesagte längere Schlaf einsetzte.

CYP-Enzyme können beeinträchtigt werden

Hinreichend gewarnt war ich durch Beipackzettel / Fachinfo, dass gewisse Medikamenten-abbauende Enzyme durchs Enzalutamid beeinträchtigt werden können. Im Fachinfo heisst es hierzu:

"Bei gleichzeitiger Verabreichung von Xtandi mit Arzneimitteln mit einer engen therapeutischen Breite, die Substrate von CYP3A4, CYP2C9, CYP2C19 und UGT1A sind, ist Vorsicht geboten. Zum Erhalt therapeutischer Plasmaspiegel kann eine Dosisanpassung nötig sein. Solche Substrate sind unter anderem: ... Cumarine (z.B. Warfarin) ..."

Da ich das vorher gelesen hatte, habe ich während der Enza-Therapie häufiger als sonst die Koagulation gemessen. Überraschenderweise passierte während des ersten Monats gar nichts. Dafür dann ab dem zweiten Monat umso heftiger. Mein Marcumar-Dosierungs-Schema funktionierte nicht mehr, ich brauchte mehrere Monate, auch nach Absetzen des Enzalutamid, um wieder eine stabile Dosierung hinzubekommen. Aber gut, marcumarisierte PCa-Patienten sind zum Glück nur eine sehr kleine Minderheit.