Immuntherapien

Brauchen "wir" Immuntherapien ?

Checkp.-Modul. PubMed Dendr.Zellen Provenge Neßelhut Prostvac

Rudolf Stratmann, 01.10.2014

Als Anfang 2012 Prof. Heidenreich die Frage stellte, ob wir Immuntherapien wirklich brauchen, waren wir einigermassen entsetzt: Warteten wir doch nach der Zulassung von Provenge (Sipuleucel-T) in den USA im Jahre 2010 darauf, dass auch hierzulande die dendritische Zelltherapie für die Behandlung des PCa zugelassen werden würde - und dann diese Frage?!.

Aber die Frage von Prof. Heidenreich bezog sich auf das metastasierte Prostatakarzinom und insbesondere auf das bereits kastrationsresistente PCa (von ihm KRPCA abgekürzt): "Immuntherapie beim metastasierten Prostatakarzinom - brauchen wir diese wirkich?" (Der Urologe, 1 - 2012).

In seinem "Fazit für die Praxis" am Ende des Artikels (fulltext auf Anfrage) weist er daraufhin, dass "Patienten mit aggressivem Wachstumsmuster des KRPCA und kurzer Überlebenszeit" "keine geeigneten Kandidaten für eine Immuntherapie" seien und dass "wie bei anderen Immuntherapien auch besonders die Patienten mit einem niedrigen PSA-Wert, minimaler Metastasenlast, günstigem Gleason-Score und langsamer PSA-Verdopplungszeit auf die Therapie" ansprechen.

Sicherlich ist diese Beobachtung bzw. Einschätzung richtig, aber sie bedeutet nur, wie bei Krebs-Medikamenten generell auch, dass die Zulassungspraxis mit Phase-III-Studien bei metastasierten und "austherapierten" Patienten ein Problem darstellt, das nicht durch Verweis auf die unzureichende Wirksamkeit unter solcherlei Studienbedingungen aus der Welt geschafft werden kann (s. auch das kürzliche Scheitern der Phase-III-Studien mit XL-184).

Natürlich dürften Immuntherapien in der Regel besser wirken, wenn die Tumorentwicklung noch nicht so weit fortgeschritten ist. Daraus folgt aber, dass bei den derzeit nicht zu ändernden Zulassungsbedingungen die einmalige Chance, dass bereits eine Immuntherapie trotz der ungünstigen Patienten-Auswahl zugelassen werden konnte, sofort ergriffen werden und auf frühere Krankheits-Stadien, für die man eine noch bessere Wirksamkeit mit guten Gründen erhoffen kann, übertragen werden sollte.

 

Was aber ist derzeit die Situation mit der Verfügbarkeit von Immuntherapien für das PCa?

 

1. Dendreon hat bereits seit September 2013 die europäische Marktzulassung für das Provenge / Sipuleucel-T, die Verfügbarkeit wird für nächstes Jahr erwartet, wie man hört, mittels einer Zusammenarbeit von Dendreon mit einer holländischen Firma. Auf der homepage des G-BA ist im Rahmen der frühen Nutzenbewertung nach dem AMNOG-Gesetz noch kein Beratungsverfahren zu finden (Internet-Zugriff am 28.09.2014).

2. Eine dendritische Zelltherapie steht in der Praxis Dr. Neßelhut in Duderstadt zur Verfügung, allerdings bereitet die Übernahme der Kosten durch die Krankenkassen derzeit immer noch erhebliche Mühe, obschon die Kosten erheblich niedriger sind als bei Provenge zu erwarten. Ein Behandlungbericht von Helmut Fleig kann im Menü-Punkt "DC-Therapie bei Dr. Neßelhut" gelesen werden.

3. Nachdem schon 2010 die Prostvac-Phase-II-Studie erfolgreich war, ist derzeit die Phase-III-Studie in der Endphase der Rekrutierung; Studieneinzelheiten wie auch (deutsche) Studien-Orte / -Kliniken können hier nachgeschlagen werden, bis Ende Dezember ist noch eine Aufnahme in diese Studie möglich, hier eine Liste der Prüfärzte mit Telefonnummern.

Wichtig im Zusammenhang mit der damaligen Veröffentlichung der Phase-II-Ergebnisse ist, was Eric J. Small und Lawrence Fong im Editorial schrieben: "Developing Immunotherapy As Legitimate Therapy for Patients With Prostate Cancer" (dieser Artikel ist sehr zu empfehlen): Klassische biologische Endpunkte wie "progression-free survival" müssen nicht unbedingt erreicht werden, wenn die Therapie erfolgreich sein soll. Diese auf viraler Basis applizierte Immuntherapie hat einen Überlebensvorteil gezeigt, auch wenn sich das nicht in solchen Parametern wie PSA-Wert-Entwicklung niedergeschlagen hat. Schon die Zulassung des Sipuleucel-T stiess ja aufgrund der Anwendung klassischer Erfolgskriterien auch auf Schwierigkeiten, sodass damals gleich 2 Phase-III-Studien erforderlich waren, um 2010 endlich zur Anerkennung durch die FDA zu gelangen.

4. Weitere Immuntherapien sind in Arbeit ... [ wird fortgesetzt ]