auf Rezeptor-Ebene

Blockade des Androgen-Rezeptors

AR Enza      

Anstatt die Androgene (Testosteron und Dihydrotestosteron) in ihrer Biosynthese zu hemmen (auf endokrinem Wege oder auf Zellebene durch Eingriff in die Steroid-Synthese), besteht ein zweiter Ansatz darin, das Andocken von Androgenen an "ihrem" Rezeptor, dem Androgenrezeptor, zu hemmen bzw. weitgehend zu verhindern. Die medikamentöse Entwicklung für diesen Hormonblockade-Zweig ist mit drei Wirkstoff-Namen umrissen: Flutamid, Bicalutamid und Enzalutamid.

Antiandrogene

Flutamid wurde bereits in den 70er Jahren eingeführt (durch Schering 1973 patentiert),

Bicalutamid (Markenname Casodex) wurde in den 80ern entwickelt und in den 90ern eingeführt und hatte eine ca. 4-fach bessere Wirkung als Flutamid.

Enzalutamid (Markenname Xtandi) schliesslich toppte das auch noch und kam hinsichtlich der Bindungsfähigkeit an den Androgenrezeptor dem Testosteron nahe und hat darüberhinaus weitere therapeutische Wirkungen. 2012 in den USA und 2013 in der EU zugelassen, ist es mittlerweile auch neben der Situation nach Chemo für das neue Anwendungsgebiet vor Chemo durch die gesetzliche Krankenversicherung in Deutschland erstattungsfähig, s. die entsprechende G-BA-Beschlussfassung. Mit einem Preis von 4.059,30 € pro Packung mit 112 Kapseln und auf den Monat mit 30 Tagen gerechnet 4.349,25 € ist es noch teuerer als das Abirateron (Zytiga) mit 4.102,13 € pro Packung mit 120 Pillen (auch hier müssen 4 pro Tag genommen werden).

Der Begriff "Antiandrogene" ist etwas missverständlich, alldieweil Hormonblockade-Mittel auf endokrinem oder zellulären Wege ebenfalls Anti-Androgene sind, es geht um die Unterscheidung, ob ich die Hormone selbst in ihrer Entstehung hemme oder ob ich die Wirkung der Hormone im Zell-Inneren mittels entsprechender Rezeptorblockade hemme.

SARM - Selektiver Androgen-Rezeptor Modulator

Das Enzalutatamid (hier eine Info derAkdÄ) wird dementsprechend auch der Klasse der SARMs zugerechnet, s. hierzu den Bonkhoff-Artikel aus 2010: "From Pathogenesis to Prevention of Castration Resistant Prostate Cancer".

 

Um die Funktionsweise und (möglichen) Wirkungen dieser AR-Blocker oder SARMs abschätzen zu können, ist es sinnvoll, sich zunächst sowohl den Androgen- wie auch den Östrogen-Rezeptor näher anzuschauen, bevor die einzelnen Mittel diskutiert werden.